Review: Nas & Damian Marley – Distant Relatives
Da haben zwei ganz große Musiker zusammengefunden! Nas und Damian Marley haben bereits lange vor Release ihres gemeinsamen Albums „Distant Relatives“ für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Die Erwartungshaltungen waren enorm und wurden im Nachhinein mehr als erfüllt.
Bereits seit „Road to Zion“ vom Damian Marley Album „Welcome to Jamrock“ (2005) weiß man, wozu Nas und Damian Marley imstande sind. Und dennoch hatten beide gar nicht vor ein ganzes Album aufzunehmen. Eine EP dem Thema „Afrika“ gewidmet sollte eigentlich aus zuvor aufgenommenen aber nicht verwendeten Titeln zusammengestellt werden. Die einzigartige Fusion aus HipHop und Reggae und die dahinterstehende Thematik haben beide aber angetrieben, sich für längere Zeit ins Studio zurückzuziehen und auf Albumlänge ihre afrikanischen Wurzeln zu thematisieren.
Ganze 13, überwiegend von Damian Marley produzierte Titel, widmen sich ganz und gar der Thematik ihrer afrikanischen Abstammung, der Armutsbewältigung und einem hoffnungsvollen Ausblick auf die Zukunft. Gespickt mit afrikanischen Samples und mit anschaulichen Informationen im Booklet wird die Zusammenarbeit abgerundet.
Und dennoch wirkt das Gesamtwerk weder anprangernd oder gar vorwurfsvoll. Nas und Damian Marley schaffen es mit Titeln wie „Strong Will Continue“ oder „My Generation“ zum Nachdenken anzuregen, werfen Fragen auf und leisten auf musikalische Art und Weise ihren Beitrag zur Weiterentwicklung des Kontinents – alleine dadurch, dass sie einen Fokus setzen auf die Lage von Ägypten bis Südafrika.
Musikalisch und inhaltlich facettenreich überzeugen die 13 Titel und heben HipHop auf ein neues Level. Glaube („In His Own Words“) findet auf „Distant Relatives“ genauso statt wie indirekter Kritik an westlichen Statussymbolen („Land of Promise“) und dem Potential, dass im schwarzen Kontinent steckt.
Auch ohne Gastfeatures von K’Naan, Stephen Marley und Lil Wayne wären Nas und Damian Marley problemlos ausgekommen, jene ergänzen das Projekt aber auf ihre eigene Art und Weise.
„Distant Relatives“ stellt viele bisher da gewesene Collabo-Alben in den Schatten. Neben „Revolutions per Minute“ von Talib Kweli & Hi-Tek ist dieses Werk jetzt schon eines der meist unterschätzten Alben des Jahres!
Nas & Damian Marley – Distant Relatives
(Universal Republic/Def Jam)
[9/10]
Jamil Bhuiyan



