Review: Sido – MTV Unplugged Live aus’m MV

Der Junge aus’m Block ist zu einem feinen Herren geworden! Einst noch mit silberner Maske unterwegs, hat Sido sein einstiges Markenzeichen begraben und das blecherne Teil gegen Anzug und Krawatte getauscht. Als erster Solorapper wird ihm nun die Ehre eines deutschen MTV Unplugged zuteil. Nach den Ärzten, Herbert Grönemeyer, den Fantastischen Vier, den Toten Hosen und zuletzt Xavier Naidoo ist die Wahl auf den mittlerweile gezähmten Rapper aus Berlin gefallen. Zwar träumt Sido inzwischen vom Haus am See, für das musikalische Spektakel hat es ihn jedoch zurück ins Märkische Viertel gezogen. Samt Live-Band, 79 Technikern, 20 Kameramännern und ausgestattet mit 45 Mikrofonen wurde „MTV Unplugged Live aus’m MV“ im Fontane Haus Anfang des Jahres aufgenommen.

Erreicht hat Sido bereits viel in seiner Karriere. Neben Auszeichnungen, Anerkennung und reichlich Schlagzeilen krönt er mit diesem MTV Unplugged seine bisherige Karriere. Mit vier Studioalben im Gepäck war das Material für 84 Minuten Spielzeit schnell gefunden. Hingegen musste erst mal eine Band gefunden werden, die die Energie des Jungen von der Straße auch artgerecht im Unplugged-Gewand umsetzen kann. Der musikalische Direktor Sven Helbig hat es hinbekommen, gleichermaßen „Streicher“ und „Straße“ zu vereinen, und so finden sich neben Schlagzeug, Bass, Gitarre und Geige auch Beatbox und Bucket-Drums auf „MTV Unplugged Live aus’m MV“ wieder.

Ob Xylophon auf dem Opener „Mein Block“ oder Streicher auf „Ein Teil von mir“ – die Umsetzung von Beat-Programming auf Live-Band hat Sven Helbig scheinbar hinbekommen. Die sidoische Gelassenheit wird durch und durch auf CD und DVD deutlich. Und dennoch kommt dieses Unplugged nicht an die vorausgegangenen Ausgaben an. Zwar präsentiert Sido mit Kurt Krömer an seiner Seite eine neue Version von „Hey Du!“, die mit Coolness gespickt ist, und auch „Straßenjunge“ überzeugt mit Akustik-Gitarren und funkigem Bass, man merkt aber irgendwie, dass Sido bislang immer auf einen DJ angewiesen war.

Das Haus am See ist in greifbarer Nähe, keine Frage. Mit „MTV Unplugged Live aus’m MV” hinterlässt Sido aber ein eher kurzlebiges Werk, dass sich nicht ganz mit denen von seinen deutschen Musikerkollegen messen kann.

Sido – MTV Unplugged Live aus’m MV
(Urban/Universal)

[6/10]

Jamil Bhuiyan

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