Interview: Dennis Lisk

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Hamburg Hip Hop: Im Sommer erscheint dein neues Album „Suchen & Finden“, auf dem du dich diesmal ein wenig anders musikalisch ausgetobt hast. Erzähl mir ein wenig dazu!

Dennis Lisk: Ja, richtig. Ich hab das Genre gewechselt. Das ist halt passiert, weil ich vor drei Jahren gemerkt habe, das es mich nicht mehr so kickt, einfach am Sampler Beats zu basteln. Ich hatte halt das Gefühl, dass ich dem Ganzen nichts neues hinzufügen kann.

Kurze Unterbrechung, jemand kommt zu Dennis in den Raum: „Komm ruhig rein“

Dennis Lisk: Wo war ich jetzt?

Hamburg Hip Hop: Wie kam es zu dem musikalischen Wandel?

Dennis Lisk: Ahja, schlussendlich hat es mich selber alles ein bisschen gelangweilt. Mir haben zwar die Sachen, die ich gemacht habe, gefallen zu der Zeit, aber mich hat es nicht mehr wirklich gekickt und die Leidenschaft hat gefehlt und ich hatte somit keine Lust, einfach ein nur ein leidenschaftsloses Rap-Album zu machen. Daraufhin habe ich in meinem Studio nach links und rechts geguckt. Dort lagen ein paar Dinge rum, Instrumente und sowas halt. Als ich dann mal wieder die Gitarre in die Hand genommen habe – ja, ich habe früher mal gespielt, und ein bisschen rumgedudelt und gesungen – merkte ich sofort, dass es mir total Spaß macht. Schon damals ist eine Skizze von einem Song entstanden, der heute auf dem Album ist. Das war für mich einfach ein krasser Zugang zur Musik, den ich vorher nicht so kannte und ich habe mich entschieden, das so weiter zu machen und drei Jahre an dem Album gearbeitet.

Hamburg Hip Hop: Du hast ja schon mit deinem letzten Album „The Denyos“ ein wenig in Richtung mit Bandsound gespielt. Ist dein neues Album jetzt die konsequente Weiterentwicklung?

Dennis Lisk: Natürlich ist es eine Weiterentwicklung, aber das ist nicht so einfach erklärt. Weißt du, es war jetzt nicht einfach so, weil ich bei „The Denyos“ mit Live-Band unterwegs war, dass ich mir gesagt habe: Mit Band ist ja super, jetzt mache ich einfach nur noch Musik mit Band, oder sowas in der Art, sonst hätte ich jetzt auf dem aktuellen Album auch gerappt, verstehst du? Es ist eher so gewesen, das selbst das irgendwie mit den Denyos und dann Live mit Band, es war einfach trotzdem Rap. Im Rap geht es halt oft darum zu zeigen was man kann, das ist eine mögliche Intention Musik zu machen, aber es gibt halt auch die Intention ein bestimmtes Gefühl oder ein bestimmte Geschichte zu transportieren und sich ausdrücken möchte. Das ist das, was schon lange in mir drin war, was ich jetzt auf dem Album komplett ausleben konnte. Ich habe komplett losgelassen.

Hamburg Hip Hop: Also was es schlussendlich für dich, ein besserer Weg, dich mit der Musik auszudrücken, so wie sie jetzt auf dem Album ist?

Dennis Lisk: Richtig. Ich habe mir vor drei Jahren nicht einfach gedacht, jetzt probierst du mal ein anderes Genre, sondern ich habe ausprobiert und das gefunden, was mir zur Zeit am meisten Spaß macht und womit ich mich am besten ausdrücken kann.

Hamburg Hip Hop: In der Info, die ich vom Label bekommen habe, steht, dass du zuerst alles selber auf deinem Laptop vorproduziert hast, bevor du die Songs überhaupt jemanden gezeigt hast. Hast du dann auch alle Instrumente selber gespielt, oder wie lief das genau?

Dennis Lisk: Fast, du kannst mit einem Laptop und Software natürlich eine Menge kompensieren, Instrumente die du z.B. selber nicht spielen kannst. Ich hab in der Regel die Gitarre selber gespielt und wenn ich dann ein Schlagzeug dazu programmiert habe, suchst du dir dann natürlich Sounds, die wie ein Live-Schlagzeug klingen. Das ganze in die Richtung bzw. mit der Idee, dass es später mit richtigen Instrumenten eingespielt wird, Skizzen sozusagen.

Hamburg Hip Hop: Wie war denn die Reaktion der Leute, als du ihnen zum ersten mal die neuen Songs gezeigt hast? Waren die eher skeptisch oder fanden die es von Anfang an cool?

Dennis Lisk: Also den Leuten, denen ich es zu allererst gezeigt hab, fanden die Songs cool. Das waren zwei, drei Songs u.a. auch der Song “Irgendwann”, und da haben die Leute schon rausgehört, dass es etwas komplett neues, total relevantes und schönes ist. Das hat mich natürlich total motiviert, wenn dein engstes Umfeld so hinter dir steht. Die Songs sind auch in allererster Linie so entstanden, dass ich das gemacht habe, worauf ich Lust hatte und das, was meinem engsten Umfeld und meinem Team, das ich mir zusammengestellt habe, gefallen hat.

Hamburg Hip Hop:Wie war die Herangehensweise bei deinem neuen Album, ähnlich oder komplett anders als bei einem Rapsong?

Dennis Lisk: Ja total anders, da ich einen anderen Fokus hatte. Ich hab alles was sich einfach nur selber darstellen möchte, oder alles was in mir gesagt hat „Hey du bist ein cooler Typ“ oder „Ich bin der derbe Rapper“ oder auch „Der tolle Sänger“, das habe ich alles beiseite geschoben. Ich habe einfach darauf geachtet, dass ich nah bei mir selbst bin und dass ein Gefühlsmoment ensteht. Ich finde, dass es keinen Song auf dem Album gibt, der nicht ein starkes, bestimmtes Gefühl transportiert. Das war mir halt wichtig.

Hamburg Hip Hop: Hattest du Vorbilder im Singer/Songwriter Bereich? So in der Art, so möchte ich klingen? Das finde ich cool?

Dennis Lisk: Eigentlich nicht, muss ich ganz ehrlich sagen. Ich hab zwar viel gehört in der Zwischenzeit, aber eigentlich kaum Sachen aus dem eigenen Genre. Zwar auch ein bisschen Tracy Chapman oder Udo Lindenberg, auch ein bisschen Stevie Wonder, aber letztenendes habe ich einfach gemacht, weil ich wusste was ich will. Als ich das dann auch erreicht habe, war ich auch glücklich damit. Es ist halt auch so, man macht sich halt auch ganz rohe Song-Skizzen und dann muss man das ganze aufnehmen. Dann brauchst du ein Streicherquartett, die einen konnten das spielen, die anderen nicht usw. damit ist man echt lange beschäftigt, bis es passt.
Ich hab dann zwischendurch trotzdem viel aufgelegt und gerappt und hab den Hip Hop auch nie richtig liegen lassen. Aber wenn ich dann den Auftritten am Wochenende wieder nach Hause gekommen bin, habe ich mich komplett auf das Projekt gestürzt.

Hamburg Hip Hop: Du hast mir jetzt schon eine Frage vorweggenommen. Ich wusste nicht ob du Gitarre spielst, aber das hast du vorhin ja schon gesagt. Wie lange spielst du denn schon? Und wie kamst du dazu?

Dennis Lisk: Ich hab mit 14 Jahren angefangen Gitarre zu spielen und hab dann so zwei drei Jahre gespielt, bin aber nie so gut geworden, dass es der Rede wert gewesen wäre. Es reicht halt, um sich selber Songs auszudenken, aber ich hatte dann fürs Album einen sehr, sehr guten Gitarristen der dann alles für mich eingespielt hat.

Hamburg Hip Hop: Darf man dich dann live trotzdem mal mit Gitarre sehen?

Dennis Lisk: Nee, werde ich jetzt nicht machen. Ich hätte das zwar machen können und ich hatte das auch eigentlich vor, aber dann hätte ich einfach mehr üben müssen. Leider hat das die Zeit nicht zugelassen.

Hamburg Hip Hop: Dann vielleicht beim nächsten Album.

Dennis Lisk: Genau (lacht).

Hamburg Hip Hop: In dem Video zu deiner Single „Lass Los“ stehst du unter anderem am Gipfel eines Berges mit zwei Basejumpern. Erzähl uns ein wenig zum Videodreh.

Dennis Lisk: Das war total die Extrem-Erfahrung. Ich gehöre halt nicht zu den Leuten die gerne von sich aus von einem Berg springen würden, oder anderen dabei zuguckt. Ich fand aber die Metapher ganz schön, weil wenn man „los lässt“, fällt man auch irgendwie, aber am Ende kann man trotzdem auch weich landen, deshalb habe ich mich für das Video entschieden. Wir sind dann mit einem Helikopter in 3000 Meter Höhe geflogen, auf einen echt kleinen Gipfel, der hatte vielleicht gerade mal 20 Quadratmeter Fläche, auch noch abschüssig… Andere hatten Wanderstiefel an und ich musste mit meinen Sneakers dort rumlaufen, weil Wanderstiefel sehen natürlich ungeil aus in einem Video und hab da mein Ding durchgezogen. Da war auch eigentlich alles in Ordnung, bis auf die eine Szene wo es genau hinter mir direkt 3000 Meter runtergeht und ich nach vorne in die Kamera performen musste, das waren auf jeden Fall harte Momente, die ich auch nicht unbedingt nochmal machen möchte.

Hamburg Hip Hop: Auf dem Album verbindest du neben klassischen Singer/Songwriter-Elementen auch sehr ausproduzierte, fast orchestrale Passagen, Reggae und auch ein bisschen Ska. Wie kam dieser Sound zustande?

Dennis Lisk: Also mir wäre z.B. der klassische Singer/Songwriter-Sound, 12 Songs nur Gitarre und Gesang, viel zu langweilig gewesen. Dafür bin auch einfach auch zu sehr an anderen Sachen interessiert und so einen Reggae/Rock-Sound a la The Police hatte ich eh schon im Sinn und wenn man du dann erst mal anfängst Song-Skizzen aufzunehmen, dann spielst du noch Streicher am PC ein, denkst dir dann sofort „Das klingt geil, aber ich möchte echte Instrumente haben“. Für mich war es halt wichtig, dass die Song-Ideen dann auch 100% umgesetzt wurden, sprich: Du spielst die Streicher am PC ein, damit sie später auch wirklich von Musikern gespielt und aufgenommen werden.

Hamburg Hip Hop: Wenn man das Album hört, hat man das Gefühl, dass du sehr viel von dir selber Preis gibst, der Song „Gefährlich“ oder „Wo auch immer“ sind da gute Beispiele. Wie viel persönliches steckt wirklich in den Songs?

Dennis Lisk: Die Songs haben alle autobiographische Hintergründe, sind aber alle Momentaufnahmen, aus einem Blickwinkel, je nachdem wann ich den Song geschrieben habe, der nicht immer zu 100% den Tatsachen entsprechen muss, das ist aber auch nicht wichtig. Wichtig ist einfach das, dass man das im dem Moment so gefühlt hat und so gesehen hat oder teilweise auch so sehen wollte, in diesem Moment. Quelle meiner Inspiration ist schon meine eigene Geschichte, aber es ist nicht 1:1 genauso passiert, das muss auch gar nicht sein. Ich habe halt immer darauf geachtet das ich mich nicht einfach sprichwörtlich ausziehe, sondern dass ich den Leuten die das Album oder einen Song davon hören, damit auch etwas zurückgeben kann. Aber bei dem Song „Wo auch immer“ z.B. ist das natürlich 1:1. Die Idee hat lange in mir geschlummert und musste jetzt raus. Den Song habe ich für meinen verstorbenen Vater geschrieben, mit der Intention, dass er ihm gefallen würde bzw. wird wenn ich ihm den Song irgendwann mal vorspielen kann.

Hamburg Hip Hop: Welche Erwartungen hast du an das Album, wie meinst du nehmen deine Fans den Wandel auf?

Dennis Lisk: Das Album hat die Erwartung voll erfüllt. Das Album ist aus meiner Sicht sehr gut und schön geworden und hat auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung verdient. Ich erwarte… (denkt nach) Ganz ehrlich. was soll ich von dem Album noch erwarten? Ich erwarte eher von mir selber jetzt gute Shows zu spielen, dass die Videos gut aussehen, dass irgendwie alles ins Rollen kommt, dass ich am Ball bleibe und nicht sofort aufhöre, wenn ich jetzt einen Rückschlag kassiere.

Hamburg Hip Hop: Ist eine Tour geplant? Kann man dich bald live sehen?

Dennis Lisk: Ich spiele jetzt erst mal auf ein paar Festivals, was erst mal eine große Aufgabe ist, das heisst jetzt nicht, dass es schwer ist, aber es ist natürlich etwas anderes weil die Leute das Album noch nicht kennen und somit eine Herausforderung. Wir haben auch schon ein paar Gigs gespielt und es macht echt eine Menge Spaß. Im Herbst oder Winter kommt dann eventuell eine Club-Tour.

Hamburg Hip Hop: Besteht die Möglichkeit, dass es irgendwann wieder ein neues Beginner-Album geben wird?

Dennis Lisk: Auf jeden Fall! Es geht nicht um das „Ob“ sondern eher nur um das „Wann“.

Hamburg Hip Hop: Vielen Dank für das Interview!

PS

One Response to “Interview: Dennis Lisk”

  1. Links (7. Juli 2009 - 8. Juli 2009) | Testspiel.de  on July 8th, 2009

    [...] Hamburg Hip Hop » Interview: Dennis Lisk “Hamburg Hip Hop: Besteht die Möglichkeit, dass es irgendwann wieder ein neues Beginner-Album geben wird? Dennis Lisk: Auf jeden Fall! Es geht nicht um das „Ob“ sondern eher nur um das „Wann“.”Aber auch der Rest des Interviews mit Dennis ist interessant. [...]


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