Review: JuseJu – Yo! Hip Hop hat mein Leben zerstört

juseEin dickes Dankeschön an Markus Gerdeman (Stylez for Miles) für das Versenden der CD. Promo läuft bei den Jungs wie geschmiert. Angefragt und abgeschickt. Daran sollte sich mancher Vertrieb ein Beispiel nehmen…

Genug geschleimt – jetzt zum Künstler – JuseJu. Aus seiner Biografie kann ich herauslesen, dass der 1982 in Kirchheim unter Teck geborene JuseJu u.a. ein studierter Theaterwissenschaftler, Japanologe und Soziologe in einer Person ist. Nicht von schlechten Eltern. Seine Jugend hat Herr Ju hauptsächlich in Japan und den Vereinigten Staaten von Amerika verbracht – welche ihn sicherlich geprägt haben müssen, was den reinen Entertainer JuseJu angeht. Seit etwa neun Jahren ist er auf deutschen Bühnen unterwegs und hat mittlerweile über 150 Shows gerockt. 2004, ein Highlight seiner Karriere, war der Gewinn des „Ready to Rumble“-Battles, welcher ihm einen Track auf einer JUICE-Magazin-CD bescherte.

Zum Album – die Headline des Intros lautet:

„…aus mir sollte etwas werden, doch ich wurde nur MC…“

Hier erzählt JuseJu was Rap alles mit ihm gemacht hat. Vorurteile, Wegweisungen, Fehlentscheidungen. Schnell wird mir klar, dass hier intelligent gebattled wird. Am Ende der Nummer steht er im persönlichen Dilemma. Dieser Track ist schon mal das Anhören wert. Das Lied endet mit dem rausfaden des Beats und mit dem Satz:

„…eines Morgens stand ich auf und stelle fest, ich war ein nichts…“

„Sexy Kartoffel“ hat etwas clubtaugliches. Eine ironische Nummer, die mich an den Hamburger Swiss erinnert. Viel Wortwitz und hämische Worte gegen diverse Redakteure:

„…vor Jahren hat die Backspin mein Demo erreicht, so wie’s aussieht hat damals schon mein Demo gereicht, für die Abschaffung zur Sorgen, des Demo-Bereichs…“

oder

„… wer hat schon auf Juse bock? Hiphop.de liest München und vergleicht mich in der Rezension gleich mit Blumentopf“

Dieser 26-jährige Rapper aus München glänzt auf seinem Album mit seinen Rhymes. Man merkt hier definitiv, dass Battlerap nicht immer einfältig, öde und anspruchslos sein muss.

Die Beats tragen sehr zum Abwechslungsreichtum dieser Platte bei – auf insgesamt 14 Tracks waren 10 verschiedene Produzenten am Werk. Featuremäßig unterstützen Juse u.a. Raphael Dwinger, Fatoni, Keno und Stoff. Einmal ist JuseJu als Alter-Ego Rappin Rashid auf dem gleichnamigen Track zu hören

Fazit: „Yo! Hip Hop hat mein Leben zerstört“, ist eine sehr gelungene Hip Hop/Rap-Platte aus dem Süden Deutschlands. Sehr viel Storytelling vom Soziologen, außergewöhnlich interessant zugleich. Prognose: Spätestens bei der nächsten Platte werden sich Hiphop.de und die Backspin in den Arsch beißen, oder sich direkt bei ihm melden für ‘ne Rezi.

Gut gemacht! Hut ab. Deutschland ist nicht tot. Hier ist alles dabei, Gangster, Straße, Rucksack, Philosoph. Dick!

[8.0 / 10]

Tracklist:
1.HipHop hat mein Leben zerstört
2.Sexy Kartoffel
3.Lass dich nicht
4.Mädchen vom Gymi
5.Flyer College Boy
6.Reggay
7.Starfeature
8.Rappin Rashid
9.Schöne Menschen
10.Looser oder Hurensohn
11.Versprochen ist Versprochen
12.Selbstjustiz
13.Stupid Games
14.Ohne Worte

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